Facetten der Einsamkeit

Shownotes

Einsamkeit ist weit mehr als fehlende Kontakte. Philosoph und Gesundheitswissenschaftler Professor Patrick Schuchter von der Hochschule Campus Wien erklärt, warum Alleinsein auch Kraft schenken kann, weshalb Verbundenheit ein menschliches Grundbedürfnis ist und welche Rolle Gemeinschaft, Kirche und Demokratie spielen.

Mehr zum Thema gibt es auf der digitalen Lernplattform des Erzbistums München und Freising mit dem Lernraum „Einsamkeiten“ der Katholischen Erwachsenenbildung. Hier geht es zur interaktiven Lernplattform.

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00:00:01: Unschlagbar.

00:00:03: Der Podcast für Bildung, Glaube und Gesellschaft.

00:00:12: Herzlich willkommen zu einer weiteren Ausgabe von Unschlagbar!

00:00:17: Mein Name ist Paul Hasel und ich versuche in diesem Podcast die Frage zu klären was eigentlich Einsamkeit genau ist und wie wir am besten mit ihr umgehen können.

00:00:29: Darüber spreche ich jetzt mit Professor Patrick Schuchter von der Hochschule Campus Wien.

00:00:35: Er ist Philosoph und Gesundheitswissenschaftler, und war Impulsgeber bei einem Aktions- und Fachtag der katholischen Erwachsenenbildung im Erzbistum München und Freising, das sich im Juni in München mit dem Thema was eigentlich das Gegenteil von Einsamkeit zusammen Perspektiven für mehr wir beschäftigt hat?

00:00:56: Herr Prof.

00:00:57: Schuchther Herzlich willkommen im Podcast unschlagbar.

00:01:01: Herr Professor Schuchter, wie kam es überhaupt dazu dass Sie sich mit dem Thema Einsamkeit befasst haben?

00:01:06: Der Anlass war eigentlich ein sehr konkreter.

00:01:08: damals war ich noch Bildungsbereichsleiter am Kardinal Könighaus in Wien für Hospizbilitif Care.

00:01:13: Demenz und Einsamkeiten ist ja schon länger ein großes Gesundheits- und sozialpolitisches Thema Und wir haben damals zwei Lehrgänge ins Leben gerufen, Wege aus der Einsamkeit.

00:01:26: Wo es nicht nur darum gegangen ist etwas zu lehren sondern wir haben Multiplikatorinnen begleitet die Projekte im Zusammenhang mit dem Umgang mit Einsamkeiten gemacht haben.

00:01:37: also wir haben Inputs gegeben und die Bedeiligten haben dann Projekten in ihren Kommunen aus ihren Einrichtungen herausgemacht.

00:01:45: das war ich der konkrete Anlass warum mich mit dem Thema beschäftigt habe und insgesamt ist Einsamkeit einfach wahnsinnig gutes Demo um die großen Fragen des Menschseins einerseits zu stellen, aber auch unsere Gesellschaft.

00:02:00: Es ist eines der Themen, die in alle Richtungen weist.

00:02:04: es kein isoliertes spezielles Thema auch weil es zunächst so klingen mag sondern es führt zu allen anderen Themen automatisch und das hat mich als Krankenpfleger und Philosoph interessiert weil es sehr konkret sein kann, aber auch die großen gesellschaftlichen Fragen und auch das Menschseins gestellt werden können.

00:02:22: Also die Einsamkeit betrifft mich hier im Innersten.

00:02:24: ein Balleritiv Mediziner hat mal gemeint er findet seine Arbeit so aufregend, weil er kann Menschen begleiten ihm sterben.

00:02:32: Aber den allerallerletzten Weg müssen die Menschen selbst gehen was jetzt zeigt dass wir letztlich als ich alleine sind Und das führt einfach zu den großen Fragen.

00:02:42: Trotzdem haben wir viele Formen der Verbundenheit, die wir spüren und das hat sozusagen das Aufregende dass wir dem Mensch sein näher kommen.

00:02:51: und dann gibt es eben eine sehr handfeste, dass Einsamkeit einfach gesundheitsschädlich ist sozusagen und deswegen Ja, auch viele Initiativen weltweit entstanden sind.

00:03:00: Sehr bekannt ist ja das Ministry of Loneliness in Großbritannien weil man eben erkannt hat dass der Einfluss auf Lebensqualität und verkürzte Lebenszeit sehr eindeutig ist und stärker als bei vielen anderen Risikofaktoren.

00:03:14: Bleiben wir vielleicht gleich mal bei der Lebensqualitet da können wir sagen Einsamkeit ist nicht Gleicheinsamkeit.

00:03:21: sie unterscheiden davor allem oder nehmen davor allen einer Abgrenzung zu sozialer Isolation vor.

00:03:27: Wieso ist das so wichtig?

00:03:28: Also wir unterscheiden zunächst, ich sage jetzt mal den subjektiven Begriff.

00:03:32: in der Regel spricht man von Einsamkeit dort wo das persönliche Empfinden Ich fühle mich einsam im Mittelpunkt steht und man spricht von soziale Isolations wo man auch unabhängig vom persönlichen empfinden einigermaßen objektivieren kann wie viel Sozialkontakte hat eine Person?

00:03:50: Wie gut ist das Unterstützungsnetzwerk?

00:03:53: Wichtig ist diese Unterscheidung deshalb, weil wenn so einem neuen Thema ein Wissenschaftszweig entsteht und eine neue Praxis durch professionelle Organisationen wie immer dazu neigen die Expertise an diese Profis auszulagern.

00:04:09: Und so wie eine Diagnose in der Medizin plötzlich sind die Ärzte-Expertinnen für gewisse Themen.

00:04:16: Und das könnte uns bei Einsamkeit auch passieren, deswegen ist es so wichtig daran festzuhalten am subjektiven Empfinden.

00:04:22: Es kann ja sein dass jemand der alles hat Familie guten Job Objektiv gute Unterstützungsnetzwerke einen großen Freundeskreis ist eingebunden in der Gemeinde sich dennoch einsam fühlt Weil dieser Mensch einfach ein Verlassenheitsgefühl hat.

00:04:37: dann ist das relevant.

00:04:39: und umgekehrt kann es Menschen geben die Objektiv isoliert erscheinen mögen, schwache Unterstützungsnetzwerke haben vielleicht auch aufgrund ihrer Lebensweise nicht so alt werden wie andere.

00:04:51: Aber wenn diese Person sagt mir geht es gut damit dann muss man das auch akzeptieren.

00:04:56: Es geht eigentlich darum die Expertise in den Händen von Bürgerinnen zu lassen.

00:04:59: deswegen ist diese Unterscheidung auf die subjektive Dimension meines Erachtens so wichtig.

00:05:04: Sie haben es auch angesprochen.

00:05:05: In der öffentlichen Debatte wird Einsamkeit oft als Problem betrachtet, weil es Folgen hat für die Gesellschaft und gesundheitliche Folgen für den Einzelnen.

00:05:17: Wie würden sie das einordnen?

00:05:18: Wann wird denn allein sein oder wann kann es zur Kraftschwelle werden?

00:05:22: Und wann kippt es eben in diese ungute Form von Einsamkeiten?

00:05:27: Eine weitere Unterscheidung zu Einsamkeit und sozialer Isolation wird manchmal so getroffen, dass man von allein sein spricht.

00:05:33: Bei dieser Unterscheiding wird sehr gerne Hannah Arendt herangezogen die über Einsamkeiten aufgeschrieben hat.

00:05:39: Und damit ist eigentlich gemeint das wenn ich nicht im direkten Kontakt mit anderen Menschen bin also nach gängigen Dafürhalten einsam bin kann es ja sein dass ich trotzdem mich verbunden fühle auf vielfältige Art und Weise, mit der Natur.

00:05:55: Mit dem Göttlichen wenn man an spirituelle Einsamkeit denkt oder auch manchmal braucht man den Rückzug und den Kontakt mit sich selbst.

00:06:02: also Einsamheit ist nicht gleich Einsamigkeit weil ich aus der Philosophie komme.

00:06:05: es gibt als diese philosophische Verbundenheit sich mit dem Geistesleben der Menschheit um mit den großen Menschheitsfragen Als mensch sich verbunden zu fühlen das ja auch eine Dimension Und insofern die Schmerz der Einsamkeits Deutet ja darauf hin, dass einfach ganz was anderes.

00:06:24: Manche Forscher sagen es ist wie mit einem Hungergefühl nur noch eben nach sozialem Nachverbundenheit.

00:06:31: Es ist ein grundmenschliches Bedürfnis und wenn das verletzt ist dann fehlt natürlich etwas.

00:06:36: In der Einsamkeit bin ich nicht nur von anderen losgerissen sondern auch von wesentlichen Anteilen von mir selbst die nur dann erfüllt werden können, wenn ich mit anderen im Umgang bin.

00:06:47: Also die Personen, die ich liebe oder die Natur ... Die ganze Einsamkeitsgeschichte ist ja oft sehr konzentriert auf menschliche Kontakte, was ja nicht unverständlich ist.

00:06:56: Aber wir müssten vielleicht auch die Natur einbeziehen und nicht-menschliche Lebewesen ebenso.

00:07:03: Und kann denn einen Mensch erkennen in welcher Situation es sich gerade findet?

00:07:07: Also ob er eher so sich an dieser metaphysischen Ebene befindet das also merkt Ja, ich brauche doch Gott vielleicht.

00:07:15: Weil sonst wirklich mein Leben einsam wird oder es ist ja vielleicht doch nur ein flüchtiger Moment aus dem ich auch immer wieder rauskomme.

00:07:21: also zum Beispiel... Ich merke das selber, ich lebe in einer Großfamilie bin manchmal auch mit Problemen allein aber ich komme da doch immer wieder heraus und es gibt solche verschiedene Momente, verschiedenen Ebenen.

00:07:32: wie soll ich damit umgehen?

00:07:33: Das ist ein schöner Hinweis!

00:07:35: Also ich glaube wir sprechen von Einzelkeit in den vielerlei Weise Alten und Weisen von Einsamkeit zu sprechen oder davon betroffen zu sein, sind wir nicht so schlimm.

00:07:45: Man geht auf ein kleines Fest, kennt niemanden, fühlt sich einsam dann geht wieder nach Hause und die Geschichte ist erledigt.

00:07:51: Flüchtige Einsamkeiten.

00:07:53: Dann gibt es so Lebensübergänge.

00:07:56: da kann die Einsamheit temporär sein zum Beispiel Jobwechsel würde mir einfallen oder Wohnortwechsel bis man sich irgendwie wieder hineingelebt hat.

00:08:05: mit der Zeit kommt man schon wieder in eine Verbundenheit.

00:08:08: Wenn ein Mensch stirbt oder wenn die Lebens eigentlich gravierender sind, dann kann sich das mit der Zeit ja auch mit der Persönlichkeit verbinden.

00:08:15: Dann fühlt man sich immer irgendwie einsam.

00:08:18: also ich glaube in der Trauer ist es ja so dass die Lehrstelle hier nie ganz gekittet werden kann.

00:08:24: Also da fehlt einfach jemand und dann bleibt man insofern auch einsam zurück, aber es kann sich trotzdem irgendwie wieder mit neuen Verbundenheiten legen.

00:08:33: Aufregend finde ich den kurzen Hinweis, den Sie gegeben haben auf diese metaphysische Dimension.

00:08:39: Das habe ich vorhin kurz angesprochen.

00:08:41: was der Palliativmediziner meint als Lebewesen das ist doch aufregend zu sehen dass wir einerseits als Ich ganz einsam sind und dann paradoxerweise aber wahnsinnige Verbundenheit erleben.

00:08:54: Und keinem Bol darf man kleinreden.

00:08:55: Man kann nicht sagen, wir sind eh verbunden mit dem Göttlichen oder der Natur.

00:08:59: Nein!

00:08:59: Wir sind vielleicht auch völlig verlassene Einsame ichs und im Moment des Durchgangs des Sterbens.

00:09:04: das ist vielleicht das stärkste Symbol dafür.

00:09:07: David Hume, schottischer Aufklärungsphilosoph hat einmal ein Gedankenexperiment vorgeschlagen.

00:09:12: stellen wir uns doch einen Menschen vor, der Allmacht hat also nicht wie Gott aber so innerhalb der Welt.

00:09:19: Alles wird ihm zurecht.

00:09:20: Ja, alles was er an Speisen will und Glück will.

00:09:24: Trotzdem wird ihm irgendwas entscheidendes fehlen weil auf Augenhöhe kann das ein Glück nicht mit einem anderen Menschen teilen.

00:09:31: Es ist immer hierarchisch.

00:09:32: Als Menschen in unserem Ich gibt es eine Lehrstelle die gefüllt werden muss durch das andere Den anderen oder das große Andere.

00:09:40: Und diese Mischung aus Eingeschlossenheit aber mit einer Lehrsteller die durch eine Verbundenheit erst erfüllt werden muß.

00:09:46: ich glaube Wir sehen in unser ganzes Leben danach, das führt auch dazu dass wir uns bewegen und wir können es nie ganz auflösen.

00:09:53: Das ist für eine ganz erspannende anthropologische Einsicht und vielleicht sind manche Einsamkeiten vom Erleben her auch dort ja?

00:10:02: Und dann kann man's eben nicht lösen, manche einsamkeit kann man lösen indem er sozusagen sich sozial wieder vernetzt.

00:10:10: Aber ich erinnere mich an eine alte Frau in einem Gesprächskreis, die sich mutgenommen ist auf das Bodium gekommen und sagt sie fühlt sich so schrecklich einsam.

00:10:17: Und dann hat eine andere Frau auf die Schulter geklopft und hat gemeint kommen Sie doch in unseren Seniorenkreis!

00:10:22: Aber das hat die Frau nicht gemeint.

00:10:24: Die war eher bei dieser metaphysischen Einsamkeit.

00:10:27: Sie ist alt all ihre anderen Menschen sind weg, sie wird bald sterben.

00:10:31: Die hat glaube ich diese Verlassenheit gespürt ja?

00:10:34: Und da sind wir von einer anderen Ebene.

00:10:36: Da können wir noch so viele Seniorenkreise oder sonstige Kreise machen, da geht es darum.

00:10:40: Ja ich weiß nicht welche Verbundenheit das dann ist.

00:10:43: Also eine spirituelle Frage würde ich sagen, philosophisch-spirituelle Frage.

00:10:47: Es gibt ja den großen Trend der Achtsamkeit.

00:10:50: Das ist so einer Art sekulare Form der Spiritualität die mir auch aus dem Bereich des Buddhismus kommt also so auf sich selber schauen.

00:10:58: Oder da gibt's ja auch diese Trends auf die Natur zu achten nicht mehr einsam zu sein und da eine Verbindung herzustellen, also Waldbaden diese ganzen Dinge.

00:11:10: Welche Bedeutung würden Sie so einem Trend beimessen?

00:11:13: Reicht das wirklich aus oder ist es nur für den Moment?

00:11:16: Offensichtlich trifft diese Frage der Achtsamkeit einen Nerv der Zeit.

00:11:21: Ich frage mich manchmal welcher Nerv des isst.

00:11:24: Also einerseits wird man auch sehr schnell trivial finde ich Ein schwaches Korrelat von Mietheim und Rückzug, ausblenden von zu viel Reizen.

00:11:35: Es wird auch manchmal etwas egoistisch, weil ich glaube der ursprüngliche Sinn von Aufmerksamkeit und Achtsamkeit ist ja auch ein moralischer Ethischer.

00:11:42: Achtsammkeit für das Radikal andere.

00:11:44: Das mich ruft, das mich weckt, dass mich hinauszieht aus mich... Und es ist ganz eine andere Grundgäste als wenn man sagt wo fühle ich mich wohl und verbunden?

00:11:52: Also kann's nicht ganz so auf den Punkt bringen.

00:11:55: aber ich erlebe manchmal so dass, wie bei diesen Schichten von Einsamkeit ist es auch bei der Achtsamkeit so.

00:12:03: Es kann ziemlich schnell trivialisieren.

00:12:06: Gleichzeitig gibt's ja eben diesen Appell ans Ich aus sich rauszugehen, sich zu engagieren, gerufen zu werden vom Schwächeren also auf die ganze Botschaft des neuen Testamentes ist er kein Aufruf zur Achtsammkeit sondern da gehts ja darum für andere dazu sein.

00:12:21: und das hat eine andere Brücke zur Einsamkeit weil Vielleicht habe ich eine Weitebrücke hier, aber ein Einsamkeitsforscher hat gesagt im Unterschied zu einem Hungerbedürfnis wo Sinn macht das man gefüttert wird oder dass man Essen hat ist es bei Einsamkeit und bei ähnlich geistigen Bedürfnissen anders.

00:12:40: Dort ist die Logik so wenn du Hunger hast fühlt der andere.

00:12:44: Wir wollen Bedeutung haben für andere.

00:12:45: wir wollen nicht Angebote haben wo wir uns nicht mehr einsam fühlen, dass die zwanzigste Blauderbank oder das nächste Hilfetelefon eine kernte Lösung auf Einsamkeit ist.

00:12:59: Die Tagesdosis an Bedeutung für andere als bedeutsames Mitglied einer Gesellschaft teilgeben zu können und da dreht sich die Logik um Das würde ich nicht mit Achtsamkeit assoziieren, also ich finde das wesentlich aufregendere moralischere politischere Logik.

00:13:18: Wobei es natürlich verständlich ist auch den Achtsamtkeitstrend des Bedürfnis zu hinterernzunehmen.

00:13:22: aber das zweitere davon finde ich inhaltlich politischer und aufregender auf der existenziellen Ebene.

00:13:31: Dass es notwendig ist diese Beziehung zum du zum anderen zu haben die mich dann erfüllt?

00:13:37: Das schließt dann wahrscheinlich ja auch eine Beziehung zur künstlichen Intelligenz aus, oder das kann nicht weiterhelfen?

00:13:44: Also ich glaube die künstliche Intelligenze hat da die Grenze wo es verwechselt wird mit einem Freund und einem Companion.

00:13:50: Also so wie wenn wir KI gut nutzen können sie uns auf andere Gedanken bringen und das vielleicht manchmal sogar besser als ein anderer Mensch.

00:13:57: Das kann durchaus sein ja aber wenn ich mir vorstelle was darf ich jetzt nur anektotisches wissen zum Beispiel in Therapie-KI eingesetzt werden oder in einem philosophischen Gespräch, dann erlebe ich schon dass die KI sehr, sehr tolle Gedanken liefern kann.

00:14:13: Sehr auf den Punkt gebracht ja aber sie kann mir nicht das Antlitz des anderen Willi Minas sagen würde bieten weil es passiert dir viel in einer Ich-du-Begegnung die nicht mit Kognition zu tun hat.

00:14:27: Man sitzt im anderen Menschen gegenüber, man schaut sich in die Augen.

00:14:30: Es passiert ja auf einer anderen Ebene ganz viel und in diesem nicht-kognitiven Bereich ist die KI ein Bildschirm – der wärmt bedingt!

00:14:39: Sie sind heute zu Gast bei der katholischen Erwachsenenbildung im Erzbistum München und Freising und die Kreisbildungswerke bei uns wie auch anderswo.

00:14:49: nach modernen Formen der Begegnung.

00:14:51: Die fragen sich ja eben, deswegen findet dieser Tag heute auch statt.

00:14:53: Wie sieht die Begehnung der Zukunft aus?

00:14:55: Gerade in einer Stadt wie München, in der wir uns befinden... In jeder zweite Haushalt ein Ein-Person-Haushalt ist und wo ich persönlich schon in der Coronazeit den Eindruck hatte, oh das wird aber hart werden für die Stadtgesellschaft wenn so viele Menschen alleine zu Hause sitzen.

00:15:15: Sie sind jetzt heute nicht angetreten mit Tipps natürlich hier bei diesem Thementag.

00:15:20: Aber wie sehen sie da in die Zukunft?

00:15:23: Kirchen, Sozialverbände eben... Die katholische Erwachsenenbildung haben sehr diese Begegnungskultur sich doch auf die Fahnen geschrieben.

00:15:31: Machen Sie es richtig!

00:15:32: Was würden Sie da empfehlen für die

00:15:34: Zukunft?".

00:15:35: Mein Eindruck ist folgender.

00:15:36: also der eine Punkt ist sehr wichtig.

00:15:39: ich glaube die richtige Ziel Richtung und das ist bei diesem Fachtag ja auch im Zentrum, sind die sogenannten dritten Orte der Dritte Sozialraum.

00:15:47: Wo das ausdünnt da haben wir wieder die Hannah Arendt kommt es zu organisierter Einsamkeit und dann wird's politisch problematisch.

00:15:54: Dritter Sozialraum ist gemeint Wir sind in unsere Familien- und Ängstenfreundeskreise.

00:15:58: schön um die kümmern wir uns blau blau Und dann sind wir in funktionalen Kontexten in der Arbeit als Konsument.

00:16:04: aber der öffentliche Raum dazwischen wo Diskurs und Leben, Begegnung und Zusammenhalt stattfindet der droht auszutünen.

00:16:13: Entweder im totalitären Muster durch Kontrolle, Überwachung, wo Menschen mit bestimmten Eigenschaften nicht im öffentlichen Raum sein dürfen.

00:16:21: in gewissen Ländern reicht es Frau zu sein in anderen Ländern Migrationshintergrund oder sonstiges.

00:16:26: Und in unseren Demokratien ist eher der Konsum das Problem.

00:16:30: Wir ziehen uns in unsere privaten Blasen zurück ein Personenhaushalte wir brauchen Öffentliche Raum.

00:16:35: So, im Grunde haben die Kirchen ja den Auftrag also sozusagen nächsten Liebe zu praktizieren, zu helfen.

00:16:44: Aber haben auch die Infrastruktur und eigentlich das auch immer schon gemacht diesen dritten Raum zu bespielen in dem sie Gemeinschaft und Sorge – wir sprechen heute von Carrying Communities und sorgenden Gemeinschaften – stiften wo immer Sie notwendig sind.

00:17:00: Mein Eindruck ist dass es aber in den Kirchen ich komme jetzt aus katholischen Bereich und aus Österreich, haben diese Sichtweise es auch lebende Faktoren gibt.

00:17:11: Der eine lebenden Faktor ist wenn die Pfarrern und die Kirchengemeinden sagen aber wir machen doch schon alles und wir haben doch eh schon alles.

00:17:18: ja aber man muss es in neue Formen gießen Es braucht eine neue Energie Diese Orte neu mit aufsuchenden Formaten zu erschließen.

00:17:29: Also mir kommt vor manchmal dümpelt die Kirche, wenn ich das jetzt ein bisschen spitzformulieren darf in diesen alten Mustern und wenn es so weitergeht wird einfach die Kirchen verschwinden weil sie muss sich neu erfinden damit sie ansprechend ist für die Menschen da draußen.

00:17:45: also die Zahlen gehen ja zurück und die Gemeinden überlebendig erlebe ich sie nicht immer.

00:17:49: das ist das eine Und da kann man sich sozusagen nicht auf das zurückziehen, aber wir haben das schon immer gemacht.

00:17:54: Man muss eigentlich die Formen neu erfinden.

00:17:56: und das zweite ist – und es natürlich ein heikles Thema – die Geschlechterhierarchie in der Kirche.

00:18:02: Wir brauchen eine sorgende Gesellschaft, d. h., wir müssen alles was Frauen traditionell tun mehr ins Zentrum... der Aufmerksamkeit stellen.

00:18:11: Und ich glaube, die Kirchen müssen verweiblichen weil sonst passiert das was Rheimer Kronemeier in einem dramatischen Bild gesagt hat irgendwann wird der letzte weiße Mann die letzte Kerze in einer Kirche löschen und das war es dann auch.

00:18:24: bei der Klimafrage merken wir dass wir unglaublich geduldig sind auf einem sinkenden Schiff weiter Gesellschaft zu spielen.

00:18:31: aber warum nicht ein bisschen dem vorgreifen und ein bisschen radikalere Reformen einläuten, weil mir kommt vor dort wo Kirche lebendig ist es oft von Frauen getragen.

00:18:42: Und wir sehen dass Frauen in die Erwerbsarbeit gehen also in den traditionell männliche Domänen Die umgekehrte Bewegung das unsere Gesellschaft mehr Sorgearbeit in der Mittelpunkt stellt und Sorgeökonomie.

00:18:53: da haben wir den großen Lernbedarf und das müsste in allen Orten der Gesellschaft eigentlich umgedacht werden ökonomisch kirchlich politisch und das wären meine Eindrücke dazu.

00:19:05: Was sollte sich dieser Lernbedarf ausrichten, eher auf die jüngere Generation oder auf die ältere Generation?

00:19:12: Auf wen müssen wir da denn mit Blick auf das Thema Einsamkeit am meisten achten?

00:19:18: Also die, die sich am häufigsten einsam fühlen sind die Jungen Erwachsenen und Jugendlichen.

00:19:23: Obwohl sie nicht isoliert sind.

00:19:24: hingegen die alten Menschen sind oft objektiv isoliert weil halt alte Menschen, versteht einem Freunde schon weg

00:19:30: usw.,

00:19:31: fühlen sich aber nicht einsam.

00:19:33: Also rein beim Thema Einsamkeit.

00:19:35: müssten wir nicht mehr auf die Jugend und die Jugendlichen schauen.

00:19:38: Und wenn wir verstehen, dass Einsamheit sowohl eine schmerzliche Seite einfach für die Personen, für die Betroffenen hat – insofern eine Versorgungsseite – müssen wir auch verstehen, da es Einsamkeiten eine extrem politische Dimension hat.

00:19:55: Der schon erwähnte Neuropsychologe John Caccioppo hatte die Einsamkeits-Mistraunsspirale beschrieben Das heißt am Anfang bin ich einsam, dann werde ich sozial misstrauischer, werde unintelligenter im Deuten von sozialen Zeichen und irgendwann bin ich isoliert.

00:20:12: Und am Ende dieser Spirale sagt er neigen wir auch eher dazu uns fremden Meinungen anzuschließen.

00:20:17: Eine große europäische Studie hat aufgezeigt dass einzelne Menschen eher politisch desengasiert sind.

00:20:24: das heißt es hängt zusammen und wenn wir unsere Demokratie irgendwie pflegen wollen und ich habe den Eindruck Epoche sind oder eine Phase, wo wir echt schauen müssen, dass unsere demokratische Lebensform gut gepflegt wird.

00:20:38: Von unten her nicht nur Wahlen sondern partezipative Demokratie in den Kommunen im öffentlichen Diskurs ohne Hate-Speech.

00:20:46: Dann ist der Ansatz bei der Jugend auch relevant.

00:20:50: Natürlich alte Menschen und hochaltige Menschen aber das immer eher in der Pflegeversorgungsdebatte.

00:20:56: meines Erachtens als beim Thema Einsamkeit würde ich fast sagen dass wir die jungen Erwachsenen nicht aus dem Blick verlieren sollten.

00:21:03: Eine vielleicht fast schon unerwartete Aufgabe für die Jugendarbeit in der Kirche?

00:21:07: Ja und vielleicht hängt ja alles zusammen, es gibt bei diesen Carrying Communities, bei den Projekten umsorgende Gemeinschaften hier zum Beispiel auch so schöne Beispiele wo Studierende und junge Erwachsene ins Pflegeheim billig essen kommen können weil sie haben ja gar Geld da bekommen sie ein bisschen billiger was zum Essen und gleichzeitig sprechen es mit den alten Menschen.

00:21:27: Das heißt, das wäre so ein symbolisches Beispiel für zwei Fliegen mit einer Klappe und wir bringen die Generationen zusammen dann reden die über irgendwas einigermaßen sinnvolles beim Essen.

00:21:38: Wahrscheinlich eine Falle ist dass wir bei großen gesellschaftlichen Fragen und des Thema Einsamkeit führt uns dazu Dass wir die Menschheit in Zielgruppen auseinander dividieren muss man natürlich ein Stück weit um zu verstehen, ah die Jugendlichen haben die Bedarfe alte Menschen empflegebedarf oder die Hochalt trinken zum Beispiel.

00:21:56: Aber an und für sich müssten wir uns eigentlich als Mensch in der Gesellschaft verstehen und auch begegnen sowohl ich sage jetzt mal beim Essen und beim Diskutieren.

00:22:05: Hannah Arendt hat gesagt weil sie von organisierter Einsamkeit gesprochen hat Wir brauchen diesen Zwischenraum diesen dritten Ort und nimmt eben den Tisch als Symbol.

00:22:16: wo der Tisch wegfällt, zerstäubt die Gesellschaft entweder in einzelne, individualistisch, die haben nichts mehr miteinander zu tun.

00:22:24: Oder sie klumpen zusammen zu einer Masse – das wäre der totalitäre Aspekt!

00:22:29: Der Tisch ist der richtige Abstand und natürlich steht Tisch für Essen und für Reden.

00:22:34: Und ich glaube bei allen Gemeinschaftsprojekten ist Essen immer im Vordergrund.

00:22:38: Da braucht man dann kein Religionsdialog oder Multikulti wenn ich das Essen von jemandem is'.

00:22:45: Man serviert gern, man gibt gerne.

00:22:47: Man nimmt aneinander Anteil einen grundlegenden Lebensvollzügen.

00:22:51: Nicht die große Methe für sich, die Religion und im Hintergrund sondern wir sind Menschen, wir leiden Wir wollen essen, wir wollen nicht dass unsere Kinder vor uns sterben.

00:22:59: Über die grundlegende Lebenserfahrungen Teilen wird das gemeinsame Mensch sein Und es ist am besten ausgedrückt Im Akt des gemeinsamen Speisens Meines ja auch in der christlichen Tradition jetzt ja nicht ganz unbekannt Und solche Orte müssten wir eigentlich mehr schaffen.

00:23:17: Dann kommt man auch raus aus dem Zielgruppen-Denken, weil wenn man länger am Tisch sitzt dann ist das kein alter Menschen und keine Muslime, sondern die haben einen Namen... ...und dann entwickelt sich vielleicht auch was Neues!

00:23:29: Ich habe die Befürchtung dass wir zu wenig solche Orten in der Gesellschaft haben.

00:23:33: Das wäre aber der Schlüssel gegen Einsamkeit und für die Demokratie.

00:23:37: Wahrscheinlich ist dann eben auch Tipp für den Alltag von uns allen, dass wir auf unsere Umgebung achten und dann noch wirklich schauen wer könnte vielleicht einsam sein oder wer rutscht ab.

00:23:48: Und das wir dann auch aktiv auf diese Menschen zugehen.

00:23:51: weil ich stelle es mir eher vor für denen der betroffen ist, ist der Ausstieg wahrscheinlich schwierig?

00:23:56: Genau!

00:23:56: Das wäre ja Paradox zu sagen wenn man nur offen zu einem Gesprächskreis für Einsame einlädt dann kommt da keiner weil die Einsamkeit bedingt dir dass man nicht aus sich so leicht heraus kann.

00:24:06: Das heißt es braucht irgendwie intelligente Formate und Ideen, wo man Menschen anspricht.

00:24:14: Aber es ihnen dann nicht ein Angebot macht, wo sie unterhalten werden sondern eben, wo Sie Bedeutung für andere haben.

00:24:20: Es geht um ernsthafte Teilhabe an der Gesellschaft.

00:24:23: Ich glaube wirklich dieses Wort des Teils geben können ist eigentlich das Schlüssel.

00:24:28: Wir Menschen wollen Bedeitung haben in einem sinnvollen Kontext Und das ist eigentlich der Schlüssel.

00:24:33: Wie schaffen wir Orte?

00:24:34: Wo wir nicht andere versorgen und füttern sage ich jetzt mal sondern ihnen die Möglichkeit geben, was sinnstiftendes beizutragen.

00:24:42: Und dann ist auch das mit der Alterspyramide – wenn es uns irgendwie gelingt, die Menschen, die aus dem Beruf ausscheiden in klugen Modellen als lebens- und berufserfahrene Personen in irgendeiner Weise ehrenamtlich oder semiährenamtliche Entlohnte Arbeit zu halten, dann glaube ich haben wir gar kein so großes Problem!

00:24:59: Wir werden das doch schaffen, als Gesellschaft unsere eigenen Leute zu versorgen.

00:25:03: Das kann ja nicht sein….

00:25:05: Das ist ja ein Hinweis darauf, dass unsere Gesellschaft falsch gebaut ist wenn man nicht alt und krank werden darf.

00:25:11: Ist ja absurd!

00:25:12: Wir müssen uns nur strukturelle Ideen erfinden wie wir die rüstigen Alten, sage ich mal jetzt gerade in die Pension gehen mit sixty-fünfundsechzig und mittlerweile sind wir mit sixty fünfundsechszig ja nicht mehr steinalt wie vor vierzig Jahren.

00:25:25: Man kann es auch nicht sagen okay mach einfach den Job gradlinig weiter.

00:25:29: aber die Politik ist oft so uninspiriert sondern wir müssen uns Modelle finden, wie können wir die Expertise, die Berufserfahrung und die Lebenserfahrung einsetzen?

00:25:38: Dort wo sie gebraucht wird.

00:25:40: Natürlich würde eine pensionierte Krankenschwester nicht einfach fünf Jahre länger Menschen im Bett pflegen können.

00:25:46: das geht physisch nicht.

00:25:47: es ist Schwerstarbeit ja aber Sie kann beraten Sie kann vernetzen Die wollen das ja sogar.

00:25:54: warum schafft man das nicht?

00:25:56: sehr absurd.

00:25:57: Also das Problem der Einsamkeit ist virulent, aber es ist lösbar.

00:26:00: Sagt Professor Patrick Schuchter.

00:26:02: Herr Prof.

00:26:03: Schuchther Jetzt höre ich noch ein Widerspruch.

00:26:05: Das existenzielle Moment von Einsamheit ist nicht lössbar weil's zur Struktur unseres Menschseins gehört und die großen existenziellen Fragen können wir nie lösen sondern im Frage-Modus mit ihnen umgehen und das ist dann die Lösung.

00:26:18: Aber in Bezug auf die gesellschaftlichen Strukturen anders begegnen und dass wir den Pflegepersonalmangel oder der Pflegebedarf, der offensichtlich größer wird.

00:26:30: Das ist lösbar absolut ja!

00:26:32: Aber Herr Schuchter herzlichen Dank für dieses Gespräch!

00:26:35: Vielen herzliche Dank!

00:26:36: Wer sich jetzt noch umfassender mit dem Thema Einsamkeit auseinandersetzen möchte kann das auf der digitalen Lernplattform des Erzbistums München und Freising tun.

00:26:47: dort befindet sich auch der Lernraum Einsamkeiten der katholischen Erwachsenenbildung, der für alle Interessierten Impulse, Materialien und Veranstaltungstipps rund um das Thema Einsamkeit bereithält.

00:27:02: Den Link zur interaktiven Lernplattform finden Sie in der Episode Information zu diesem Podcast.

00:27:08: Am Mikrofon verabschiedet sich Paul Hasel

00:27:17: Eine Produktion des MKR im Auftrag des St.

00:27:20: Michaelsbund.

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